Von den Niederlanden nach Frankreich
- 23. Juli 2021
- 7 Min. Lesezeit
Amsterdam - Boulogne sur mer - Dieppe - Cherbourg - Roscoff / 465 nm durch den englischen Kanal in die Pas de Calais, Normandie und Bretagne / 3.7. -11.7.21
Amsterdam - Boulogne sur mer
Unser kurzer Abstecher in die Schweiz ging viel zu schnell vorbei. Wir haben ein wunderschönes Hochzeitsfest erlebt und durften zusammen mit dem Hochzeitspaar, Susanne und Tim und der ganzen Familie feiern. Dann hiess es wieder Abschied nehmen von den Kindern, Verwandten und Freunden; diesmal viel es etwas schwer, denn die nächste Reise in die Schweiz wird erst im kommenden Jahr sein.
Zurück in Amsterdam konnten wir in einer nahen "Schiffsbar" das Fussballspiel Schweiz gegen Spanien verfolgen. Zu schön wäre es gewesen, aber wir hatten zusammen mit Alex einen lustigen Abend.
3.7. - 4.7.21
Frühmorgens, wenn man 8 Uhr so nennen darf, geht es los von Amsterdam aus durch den Nordzeekanal nach Ijmuiden und raus in die Nordsee. Von da an immer südwärts vorbei an Scheveningen und über Nacht an der Küste Belgiens hinunter Richtung Oostende und über die Grenze nach Frankreich. Abwechslungsweise schieben wir Wache und navigieren entlang der Tonnen und über die Verkehrstrenngebiete. Eine kalte Nacht, mit Skiunterwäsche, Mütze und klammen Fingern und sowas mitten im Sommer. Wir hoffen, dass ihr auch etwas mit uns leidet :-). Um ca. 11Uhr am Sonntagmorgen fahren wir mit der Strömung in den Ärmelkanal ein. Wir sind stolz auf uns, vorallem dass wir alles so gut geplant haben. Um 15.30 Uhr sind die Leinen fest in Boulogne sur mer. Der Tidenhub liegt hier bei 5,50m, ein stetiges auf und ab im Hafen. Zum Glück alles an Schwimmstegen. Der Abend beschert uns viel Regen und einen gemütlichen Aufenthalt an Bord.
Alex an Bord
Unser Coach, Segellehrer und Freund. Im letzten Herbst war Alex für drei Tage bei mir an Bord um mir den letzen Schliff für unsere Weltumseglung zu geben. Damals haben wir beschlossen, dass er noch einmal zu uns an Bord kommt und die ersten Nachttörns entlang der englischen Küste begleitet. Wir haben viel gelernt, aber auch viel Spass miteinander gehabt. Wie sagt Alex immer so schön: Ihr müsst die langen, mehrtägigen Törns geniessen, dabei ist das segeln Nebensache und es geht in erster Linie um Spass und nicht nur ums "überleben".Jetzt sind wir für unseren ersten, wirklich langen Schlag über die Biscaya gewappnet und sehr gut vorbereitet. Danke für alles Alex und bis bald einmal ganz entspannt in der Karibik; wir freuen uns!
Fahrtimpressionen


Hafeneinfahrt Boulogne sur mer
Boulogne sur mer - Dieppe
5.7.21
Nun sind wir richtig im Fahrten-Groove angekommen, gleich gehts wieder weiter zum nächsten Hafen; Suchtpotenzial! Ein kurzer Törn von 60 sm nach Dieppe nehmen wir frühmorgens in Angriff. Eingedeckt mit frischen Croissants, Pain au Chocolats und Baguettes; besser könnte es nicht sein! Der Bäcker war schon früh mit einem Verkaufsstand im Hafen, was für ein Service. Überhaupt spielt das Essen eine grosse Rolle wenn wir lange unterwegs sind. Die frische Luft macht einfach Appetit auf alles!
Kaum aus der Hafenausfahrt geht das Schaukeln los; alte Dünung aus Süden, schon sehr unangenehm, zumal wir nicht unter Segeln sind, da der Wind wieder einmal auf die Nase kommt. Wie war das mit Frühstück auf See, gemütlich und in Ruhe?! Am späten Nachmittag laufen wir in Dieppe ein und bekommen einen perfekten Platz längsseits am Steg. Netter Empfang, nette Leute, nettes Städtchen; wir beschliessen zwei Nächte zu bleiben und in aller Ruhe die Stadt anzuschauen und uns in einer der vielen Brasserien verwöhnen zu lassen.
Frankreich und die Segler
Die geplante Route entlang der englischen Küste konnten wir wegen den Corona-restriktionen nicht in Angriff nehmen. Dann halt Frankreich, was nicht unser Wunsch war. Nun kommen wir hier nicht mehr los, es gefällt uns ausserordentlich gut. Die Franzosen lieben die Segler, vorallem hier in der Normandie und Bretagne und wir lieben die Franzosen! :-) In jedem Hafen den wir bis jetzt angelaufen haben wurden wir äusserst nett und höflich empfangen. Gebot ist die Capitanerie anzufunken und die schicken dann ein Schlauchboot mit dem Hafenmeister vor den Hafen für den Empfang: Chapeau, wirklich alles perfekt organisiert!
Dieppe
Dieppe - Cherbourg
7.7. - 8.7.21
Der nächste Nachtörn steht an. Es lohnt sich wirklich auf die Strömungen zu achten und zum richtigen Zeitpunkt auszulaufen. Gegen Mittag laufen wir aus und setzten den Kurs Richtung Pointe de Barfleur ab. Wiederum hart am Wind, aber was bleibt einem schon übrig; entweder warten oder durch! Es wird wieder eine lange und kalte Nacht, da schweifen die Gedanken ganz in den Süden und alle an Bord träumen von der Sonne Spaniens. Für das Nachtessen steht "kochen in Schräglage" auf dem Programm, dass ist besser als ein workout im Fitnessclub, zumal alle begeistert über die Kochkünste von Gottfried sind; die Wahrheit: alle hatten einfach Hunger! :-). Obwohl ich hab mein Bestes gegeben und nicht nur aufgewärmt, sondern ein richtiges Menu zubereitet. Die Tischordnung war etwas chaotisch und hart am Wind.
Während der Nacht müssen wir immer wieder den Fischern ausweichen, was nicht immer einfach ist. Die meisten Fischerboote schalten ihr AIS (automatic identification system) ab und sind nur als Radarecho erkennbar, oder durch die Lichterführung. Das hält uns die ganze Nacht auf Trab und wach.
Frühmorgens laufen wir in Cherbourg ein und können uns einen Platz in der Poolposition am ersten Steg ergattern; gut fürs Hafenkino!
Wir blieben wieder zwei Nächte um die Stadt zu erkunden und natürlich die Restaurants. Für einmal lacht uns die Sonne ins Gesicht, wie wunderbar nach all den kalten und verregneten Tagen! Wir geniessen den Stadtbummel mit Apéro und einen entspannten Abend in einer Gartenwirtschaft à la francaise.
Reparaturen an den schönsten Plätzen der Erde
Alle Segler die schon lange unterwegs sind oder waren erzählen uns davon. Es ist eigentlich der "running Gag" unter den Langfahrern und gehört einfach dazu, kein Spass. Ohne schrauben und werkeln geht gar nichts. Seit Amsterdam gab es immer wieder Wasser im Motorraum. Zusammen mit Alex haben wir gesucht und gesucht. Alle Schlauchbriden nachgezogen und und und, geholfen hat es nichts. Schlussendlich war der Deckel des Wasserfilters zwischen Pumpe und Wärmetauscher (Druckseite) nicht vollständig dicht angezogen; so simpel ist es manchmal.
Dann ist da noch die Dichtung der Wasserpumpe der Toilette, die Fertigstellung des Moskitonetzes und was da sonst noch alles auf der Todo-Liste steht. Ihr seht also, es wird uns nie langweilig werden.Sollte jemand Lust auf Reparaturen haben können wir gerne auch Therapieplätze zur Entspannung anbieten. Keine Angst die Liste wird ständig ergänzt!

Wir haben den Nullmeridian überquert,
jetzt geht es Richtung Westen
Cherbourg
Cherbourg - Roscoff
10.7. - 11.7.21
Kaum haben wir abgelegt begleiteten uns die ersten Delphine direkt im Vorhafen. Wie berechnet erreichen wir kurz nach Mittag das Cap de la Hague und den berühmt berüchtigten Strom "Alderney Race". Direkt am Cap geht es richtig zur Sache mit Wirbeln und hohen Wellen, danach mit knapp 14 kn über Grund. Schwupps und schon sind wir um die Inseln Sark und Guernsey herrum und auf Kurs nach Roscoff. Endlich können wir auch wieder segeln, aber wie immer gegen an.
Es wird eine ruhige, wenn auch wie gewohnt kalte Nacht. Während der Wache bleibt viel Zeit für Gedanken, die Hände warm zu reiben und Unmengen von Kaffe zu trinken. Nescafe muss es sein, mit Milchpilver und Zucker, ein edles Getränk. Zwischdurch auch der Kampf mit dem Schlaf. Für den Weckdienst alle 15 min. haben wir uns eine Eieruhr angeschafft, zur Not geht auch das Handy. Unten in der Kabine ist es ruhig, alle schlafen den Schlaf der Gerechten bis zur nächsten Wache.
Morgens um 8 Uhr erreichen wir Roscoff und ein wunderbarer, sonniger Tag steht uns bevor.
Nach der Ankunft ist zuerst immer Chaosbeseitigung. Alles wieder auf seinen Platz stellen (bei zuviel Lage), Krümel wegwischen und umgekippte Gläser wegräumen, ab und zu das Schiff vom Salzwasser befreien. Danach Frühstück, Bier oder Spritz, je nach Tageszeit und Lust und Laune, manchmal auch noch ein zwei Stündchen Schlaf.

....es geht noch mehr; im max. 14 Knoten


Cap de la Hague

Roscoff und Ile de Batz
12.7. -14.7.21
Schon der Weg von der modernen Marina Bloscon in den Porzh Kohz (alten Hafen) zeigt das Städtchen von der schönsten Seite. Schöne und gut restaurierte Häuser im bretonischen Stiel mit Quadersteinen, den typischen Giebeln mit den Kaminen, die grossen Horthensiensträucher und schönen Naturgärten begleiteten uns ins Zentrum. Die Stadt liegt eng um den Hafen mit vielen Restaurants und Bars. Der Hafen liegt beim ersten Besuch trocken, der Tidenhub beträgt hier 9 m! Die Fischerboote reihen sich an den Quaimauern auf und lehnen sich dagegen, Muse für die Fischer bis zum nächsten Hochwasser.
Wir beendeten unseren Abend bei "chez Corinne" mit Entrecôte und Burger und dem obligaten Pichet mit Rotwein.
Alex ist am Montagmorgen zurück zu seiner Familie gereist. Für ihn heisst es noch eine Woche Ferien, danach ist wieder arbeiten angesagt. Wir nutzen den Tag und bringen das Schiff wieder auf Vordermann, gehört auch dazu.
Am Dienstag unternehmen wir einen Ausflug auf die Ile de Batz, ca. 5 sm von Roscoff entfernt. Diesmal auf die Easytour mit dem Fährschiff, ohne rechnen und planen, lassen wir uns ganz entspannt rüberschippern. Kurz vor den grossen Sommerferien ist der Andrang noch nicht ganz so gross und die Völkerwanderung hält sich in Grenzen.
Die Insel strahlt ein mediteranes Flair aus und lädt zum Verweilen ein. Unsere Wanderung führt zum Leuchturm und am Strand zurück ins Dorf. Unterwegs treffen wir auf einen älteren, gesprächigen Herrn, der uns auf seiner wunderschönen und verzauberten Insel willkommen heisst. Unsere Französisch-Kenntnisse werden im Eilzugstempo aufgebessert. Wir könnten hier gleich unsere nächsten "Ferien" verbringen. Für alle Interessierten:
https://www.iledebatz.com/
Quatorze Juillet
Im Hafen liegt seit gestern ein grosser Dreimast-Segler, beflaggt für denNationalfeiertag. Ein paar Ausflugsschiffe liegen in der Marina und warten auf Gäste. Oben hinter der Hafenmole wird ein Festzelt aufgestellt. Wir erwarten so einiges! Für den Abend haben wir uns einen Tisch in der Brasserie Alizes reserviert, auch wir wollen in style etwas mitfeiern. Danach ein Rundgang durchs Städtchen und zurück in den Hafen. Da wird gearde noch etwas gerockt, mit Steppenwolf und AC/DC, dann ist der Zauber aber vor Mitternacht zu Ende; und das wars dann auch schon. Gute Nacht, auch wir dürfen jetzt in die Koje kriechen.

Ile de Batz


Roscoff - L'aber wrac'h
15.7.21
um 10 Uhr zur Tankstelle, danach mit dem Strom aus dem Hafen aussen um die Ile de Batz und danach Kurs Südwest. Den Wind wie gewohnt auf die Nase motoren wir um die Insel und segeln danach in den dichtesten Nebel hinein. Alles verschwindet um uns und es wird still bis auf den Wellenschlag, der sich tausendfach zu verstärken scheint. Wir tasten uns unter Segeln und mit Motor weiter zu unserem Zielhafen. Ohne AIS und Radar wäre ein Anlauf in den kleinen Fjord (L'aber...) nicht möglich. Plötzlich hören wir Stimmen, Geister?
Ein Ausflugsboot taucht achtern aus dem Nebel auf und zieht an uns vorbei. Nun wissen wir, dass die Richtung stimmt. Bald taucht auch die erste Tonne die den Einfahrtsweg markiert auf und eine Seemeile vor dem Hafen lichtet sich der Nebel endlich und gibt die Sicht auf die Marina frei. Wir sind erleichtert und nach Stunden voller Aufmerksamkeit fällt endlich die Spannung von uns ab. Im Hafen werden wir von Jan der mit seiner Rare Breed hier ist begrüsst. Ihn und seine Frau Biggi haben wir in Amsterdam kennengelernt. Bis hier her ist er mit Cynthia einer Freundin der beiden geseglt. Auch Ulrike und Pierre von der Dawn sind vor Ort. Auf dem Weg in den Süden trifft man immer wieder die gleichen Seglerinnen und Segler. Daraus ergeben sich immer wieder nette Gepräche, Tipps und schöne, gemeinsame Abende. Langsam aber sicher kommen wir in unserem neuen Leben und der Segler-gemeinschaft an.

L'aber wrac'h; der schönste Sonnenuntergang in der Bretagne






































































































Kommentare