Bienvenue à Madagascar
- 3. Dez. 2023
- 14 Min. Lesezeit
Eine Kurzvisite mit grossartigen Erlebnissen und unvergesslichen Momenten 28.9. - 9.10.2023
Vom Ein- und Ausklarieren
Schon Wochen im Voraus haben wir uns um eine Einreisebewilligung per Schiff bemüht. Das meiste konnten wir bei noonsite.com, Website für Blauwassersegler, erfahren. Zehn Emailadressen mussten angeschrieben werden, darunter der Transportminister, der Sicherheitsminister usw. Nach mehrmaligem Nachfragen von Unterwegs, Starlink sei dank, haben wir dann das begehrte Papier erhalten. Ohne Einreisepermit wird man direkt wieder da hin zurück geschickt wo man herkommt. Damit ist die erste Hürde geschafft. Kaum ist der Anker im Grund eingegraben kommt der erste Agent mit seinem Helfer im uralten Dinghy angerudert. Renier kennt Romeo schon von früheren Besuchen und wir nehmen ihn als Hilfe zum Einklarieren und zur Bewachung unseres Dinghys mit. Eine kurze Fahrt an den Steg und schon stehen wir bei der Polizei. Wir werden in die Baracke gebeten und ganz wichtig, es werden immer Sitzplätze angeboten. Niemand steht, allgemeines Begrüssen und fragen, dann die klaren Anweisungen. die ersten 120'000.- Ariarys (in etwa CHF 23.-) sind fällig, dazu 80'000.- für den Taxi auf den Flughafen für den Visastempel, die Visas sind für 15 Tage gratis.
Also zuerst die Fahrt mit dem Tuktuk zum ATM (Geldausspukautomat) und wieder zurück in den Hafen. Danach zur Gendarmerie, wieder 120'000.-, danach Customs, wieder 120'000.-, danach zur APMF, der Immigration und , ihr habt's erraten, wieder 120'000.-. Fast jeder in Madagaskar ist Millionär, die Währung zerfällt rasend schnell, die Summen sind immens und alles läuft mit Cash, nur in einigen Supermärkten wie Leaderprice aus Frankreich, in den Hotels und sehr wenigen Restaurants kann man mit Karte bezahlen, wenn es dann geht. Die einen stellen Quittungen aus, die anderen lieber nicht. Über Mittag ist geschlossen, ab drei Uhr geht es wieder weiter. Ein Besuch mit allen Behördenvertretern per Dinghy auf der Najuma ist obligatorisch. Um halb fünf sind wir einklariert und ready für ein kühles Bier in der nächsten Bar.
Vorweg, das Ausklarieren hat über drei Tage gedauert. Gottfrieds Französisch hat sich in diesen drei Tagen um 300% verbessert, was unmerklich zur Verständigung beigetragen hat, zwinker. Es braucht wiederum dieses Permit, diesmal zum Ausreisen. Leider wurden wir falsch informiert und mussten in einer Notfallübung sämtliche wichtigen Ämter und Personen nochmals anschreiben. Zum Glück hat uns der Monsieur le Directeur des AMPF geholfen und direkt in der Hauptstadt auf der Hauptinsel, oder Festland wie sie es nennen, angerufen. Wir mussten trotzdem noch ein Wochenende ausharren, da der Transportminister am Freitag für eine Einweihung abwesend war. Am Montag 9.10. bekamen wir alle Stempel, notabene nachdem wir alle unsere Unterlagen mit 120 Kopien, ja, Hundertzwanzig Kopien vorgelegt hatten. Gekostet hat's wieder die 120'000.- bei jeder Amtsstelle. In Afrika wiehert der Amtsschimmel noch zehnmal lauter und öfters als wir es uns gewohnt sind. Da hilft nur gelassen zu bleiben, sich nicht aufzuregen, nett zu sein und immer zu lächeln. wie heisst es so schön; Hakuna Matata.

Police à la Madagascar
Warten, warten, warten vor dem APMF, Dinghyexpedition, Hauptanleger in NosyBe, Piroge oder Auslegerkanu eine Herausforderung für Renier, Customs und das verdiente Bier!
Nosy Be
Ein Traumziel? Wir sind überzeugt davon!
Nosy Be ist eine malerische Insel vor der Nordwestküste Madagaskars im Indischen Ozean. Der Name "Nosy Be" bedeutet übersetzt so viel wie "große Insel" in der Landessprache Malagasy. Die Insel ist für ihre atemberaubenden Strände, Korallenriffe und vielfältige Tierwelt bekannt und zieht sowohl einheimische als auch internationale Touristen an. Einige Segler wagen sich auch von Südafrika aus in den Norden zu segeln, oder besuchen Madagaskar von Westen her kommend auf ihrer Weltumsegelung. Wir haben uns für den Abstecher aus Südafrika entschieden und wurden reichlich belohnt.
Einige der bemerkenswerten Aspekte von Nosy Be sind (aus den einschlägigen Internetseiten):
Traumhafte Strände: Die Insel beherbergt einige der schönsten Strände Madagaskars, darunter Andilana, Ambatoloaka und Madirokely. Die Strände zeichnen sich durch feinen weißen Sand und kristallklares Wasser aus.
Tauchen und Schnorcheln: Nosy Be ist ein Paradies für Taucher und Schnorchler. Die umliegenden Gewässer sind reich an Korallenriffen und einer erstaunlichen Vielfalt von Meereslebewesen, darunter bunte Fische, Schildkröten und Rochen.
Lokale Märkte: Die Insel bietet auch die Möglichkeit, lokale Märkte zu erkunden, auf denen traditionelle madagassische Produkte und Handwerkskunst verkauft werden. Der Markt in Hell-Ville, der Hauptstadt von Nosy Be, ist besonders beliebt.
Lemurenreservate: Madagaskar ist bekannt für seine einzigartige Tierwelt, insbesondere für Lemuren. Auf Nosy Be gibt es Reservate, in denen Besucher diese faszinierenden Tiere in ihrer natürlichen Umgebung beobachten können.
Gewürzplantagen: Nosy Be ist auch für seine Gewürzplantagen bekannt. Vanille, Ylang-Ylang (eine duftende Blume) und andere Gewürze werden hier angebaut. Besucher haben die Möglichkeit, an Führungen teilzunehmen, um mehr über den Anbau und die Verarbeitung dieser Gewürze zu erfahren.
Religiöse Stätten: Es gibt auch einige religiöse Stätten auf der Insel, darunter die russisch-orthodoxe Kathedrale St. Nicolas. Diese Kathedrale wurde im 19. Jahrhundert von russischen Einwanderern erbaut.
Nosy Be bietet also eine perfekte Mischung aus natürlicher Schönheit, kulturellem Reichtum und Abenteuermöglichkeiten, was es zu einem beliebten Reiseziel macht, für alle die nach einem tropischen Paradies suchen, dass in weiten Teilen noch sehr ursprünglich geblieben ist, natürlich auch mit den Errungenschaften der modernen Zivilisation, aber dennoch nicht so entwickelt wie an anderen durch den Tourismus erschlossenen Orte.
Unser erster Kontakt mit Madagaskar ist die Stadt Hellville, unser Ankunfts- und Einklarierhafen. Hellville ist die Hauptstadt der Insel. Der Name "Hell-Ville" geht auf Admiral de Hell zurück, einen französischen Offizier des 19. Jahrhunderts, der die Stadt gegründet hat. Die Stadt wurde später nach ihm benannt, um seine Verdienste zu ehren. Es war kein Piratennest und wir sind auch nicht direkt in die Hölle gesegelt. Es gibt diverse Geschichten, aber nur eine richtige Erklärung.
Auf den Strassen ist es sehr lebendig und farbig. Frühmorgens und Abends wird draussen gelebt, die Mittagshitze vermieden. Diese Zeit wird lieber an schattigen Plätzen und in den Häusern verbracht. Ein ständiges Gehen und Kommen voller Lebenslust. Dienstleistung wird gross geschrieben und auch das Verhandeln um den Preis. Wie jedes Mal in einem neuen Land stolpert man anfangs über die Preise. Wir lernen schnell und lassen uns schon bald nicht mehr übers Ohr hauen. Es ist wirklich ein Spiel und es hilft wenn man es beherrscht. Quittiert wird es dann von den Einheimischen meistens mit einem verschmitzten Lächeln.
Die ersten zwei Tage ankern wir im Hafen von Hellville und schauen uns die Stadt an und gehen auf dem Markt einkaufen. Den Abend verbringen wir im Restaurant de la Mer, mit Terrasse und wunderbarer Aussicht. Fast schon kitschig segeln die grossen Fischerboote, Dau's in den Sonnenuntergang und die Nacht um am Morgen mit dem Fang in den Hafen einzulaufen.
farbenfrohes Hellville
Ein Tag mit Alex
Vor unserer Reise nach Madagaskar hat uns Mark den Kontakt zu Alex vermittelt. Er ist auf Nosy Be aufgewachsen, spricht perfekt Englisch und ist im Tourismus Business zuhause. Er organisiert für uns eine Tuktuk-Tour quer über die Insel und bringt uns zu den schönsten Plätzen auf Nosy Be.
Wir starten von der Crater Bay aus, da liegen wir beim Yachtclub an einer Boje, mit einem kurzen Schwenker durch Hellville und fahren dann direkt zum Lemuria Land ausserhalb der Stadt. Dieser private zoologische und botanische Garten beheimatet neben vielen Pflanzenarten auch einige Lemuren Spezies und andere Wildtiere wie Krokodile, Schildkröten, Echsen und vieles mehr.
Spätestens seit dem Zeichentrickfilm Madagaskar kennen alle die putzigen Tiere mit den grossen Kulleraugen, dem dichten Fell und den langen Schwänzen. Lemuren sind eine Gruppe von Primaten, die auf der Insel Madagaskar und den umliegenden Inseln vorkommen. Diese einzigartigen Tiere gehören zur Unterordnung der Feuchtnasenaffen (Strepsirrhini) und sind eng mit Lorises und Galagos verwandt.
Hier sind einige interessante Fakten über Lemuren:
Es gibt mehr als 100 verschiedene Lemurenarten, und sie variieren stark in Größe, Aussehen und Verhalten. Zu den bekanntesten Arten gehören der Katta, der Ringelschwanzmaki (der aus dem Film in der Yogapose) und der Vari.
Lemuren bewohnen eine Vielzahl von Lebensräumen, darunter Regenwälder, Trockenwälder, Mangroven und Bergregionen. Ihre Verbreitung ist jedoch auf Madagaskar und die umliegenden Inseln beschränkt.
Die meisten Lemuren sind nachtaktive Tiere, was bedeutet, dass sie in der Nacht aktiv sind und tagsüber schlafen. Einige Arten sind jedoch auch tagsüber aktiv, wie z.B. der schwarze Maki.
Lemuren leben oft in Gruppen, die als Troops bezeichnet werden. Diese Gruppen können von wenigen Individuen bis zu über 20 Tieren reichen, abhängig von der Art. Die weiblichen Tiere führen die Gruppe, essen immer zuerst und sind für alles zuständig, typisches Matriarchat.
Viele Lemurenarten sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Die Hauptbedrohungen sind Lebensraumverlust durch Abholzung, Bejagung und klimatische Veränderungen. Es sind grosse Bestrebungen im Gang um die Tiere zu schützen, aber die grosse Armut und die Korruption lassen sich nicht von heute auf morgen besiegen.
Lemuren haben oft auffällige Merkmale wie große, ausdrucksstarke Augen, lange Schwänze und weiche, dichte Pelze. Einige Arten haben auch markante Fellmuster und Färbungen.
Lemuren sind faszinierende Tiere denen man stundenlang zuschauen kann. Sehr neugierig und zutraulich wo sie an Menschen gewöhnt sind. Sie spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem von Madagaskar. Der Schutz ihrer Lebensräume und die Bemühungen zur Erhaltung sind entscheidend, um das Überleben dieser einzigartigen Primaten zu gewährleisten.
Alex führt uns durch den gross angelegten Park und erklärt uns vieles zu all den Tieren und Pflanzen. Neben den Lemuren gibt es viele weitere endemische Arten, wie Chamäleone, Geckos und auch viele endemische Pflanzen. Innerhalb des Parks steht auch eine alte Distillerie für Pflanzenessenze die für die Parfumherstellung verwendet werden. Dazu eine kleine Aufzählung verschiedener Pflanzen und Blüten die uns mehr oder weniger geläufig sind.
Ylang-Ylang (Cananga odorata): Diese duftende Blume ist für ihr intensives, blumiges Aroma bekannt und wird häufig in Parfüms verwendet. Ylang-Ylang-Öl wird aus den Blüten gewonnen und verleiht Parfüms eine süße, exotische Note. Die Bäume wachsen bis über 30 m in den Himmel, werden aber im Plantagenanbau zurück geschnitten und in einer Höhe von ca. 2-3 m gehalten. Auf Nosy Be und den umliegenden Inseln tragen etliche Plantagen zum Lebensunterhalt bei.
Vanille (Vanilla planifolia): Nosy Be ist auch für den Anbau von Vanille bekannt. Vanilleextrakt, der aus den fermentierten Schoten gewonnen wird, wird häufig als Basisnote in vielen Parfüms verwendet und verleiht diesen einen warmen, süßen Duft. Wir kennen es aus der Bäckereiabteilung im Grossverteiler, meistens in Glasröhrchen verpackt. Der Anbau war ein lukratives Geschäft, aber durch Überproduktion sind die Preise stark eingebrochen.
Frangipani (Plumeria): Die duftenden Blüten des Frangipani-Baums sind auf Nosy Be weit verbreitet. Das ätherische Öl aus diesen Blüten wird oft in Parfüms verwendet und verleiht diesen einen blumigen, tropischen Duft. Die wunderschönen Blüten sind auch aus anderen tropischen Gegenden bekannt, z.B. Tahiti wo sie zu Kränzen und Ketten geflochten als Begrüssungsgeschenk übergeben werden.
Jasmin (Jasminum): Jasminblüten sind für ihren betörenden Duft bekannt. Jasminöl, extrahiert aus den Blüten, wird oft als Herznote in Parfüms eingesetzt und verleiht diesen eine sinnliche und blumige Note.
Gewürznelke (Syzygium aromaticum): Gewürznelken werden auch auf Nosy Be angebaut. Nelkenöl, extrahiert aus den getrockneten Nelkenknospen, wird in einigen Parfüms als würzige Note verwendet.
Diese Pflanzen tragen zur einzigartigen und exotischen Duftpalette bei, die oft mit der Insel Nosy Be in Verbindung gebracht wird. Die Parfümindustrie schätzt diese natürlichen Inhalts-stoffe für ihre hochwertigen Duftnoten, und die nachhaltige Ernte ist wichtig, um die Um-welt und die Pflanzengemeinschaften auf der Insel zu schützen. Fortschritt und Handel haben immer ihren Preis. In den letzten 50 Jahren wurde für Plantagen an einigen Orten Raubbau betrieben. Abholzungen und Brandrodungen haben ihre Spuren hinterlassen. Wir hoffen, dass es gelingt die Ökosysteme zu erhalten und diese wunderbare Artenvielfalt für weitere Generationen erlebbar bleibt.
Lemuren Vielfalt
Urviecher
Papayas, Jackfruit, Ylang Ylang, Kakao.....wer findet das Chamäleon?
Distillerie
Nächste Station: Mahatsingo Sacred Tree
Die Fahrt im Tuktuk kühlt uns etwas ab. Trotz allem müssen wir uns an die Wärme und hohe Luftfeuchtigkeit gewöhnen. Der geheiligte Baum steht mitten in einem Wäldchen direkt an der Küste. der Schatten tut uns gut.
Der Banyan Tree wurde von der Königin des Sakalava Tribe 1836 gepflanzt. Er gilt als heiliger Baum und auch heute noch werden Opfergaben zum Baum gebracht. Der Baum steht an einem Ort der Kraft und spendet Energie und Segen. Wir werden in ein Lamba, dem traditionellen Wickeltuch, gekleidet und dürfen barfuss, mit dem rechten Bein zuerst über die Schwelle in das Heiligtum eintreten. Zwischen den Luftwurzeln gespannte Tücher haben alle symbolischen Charakter; Gold, Erde, Himmel. Beim Eingan steht eine Statue als Abbild der Königin. Wir geniessen bei einem Rundgang die Stille des Ortes.
Der Tag ist noch lang und wir haben noch einiges vor uns. Nach den langen Segeltagen ist es für uns eine tolle Abwechslung mit festem Boden unter den Füssen auf Entdeckungsreise zu gehen. Die Mittagssonne brennt auf die Strassen. Zum Glück fahren wir im offenen Tuktuk quer über die Insel. Wir riechen den Duft der Insel, der vielen Pflanzen, kneifen unsere Augen zusammen wenn es staubig wird und winken den Menschen am Strassenrand und in den Dörfern zu. Es ist eine Fahrt durch die Zeit. Moderne Hotels an den Stränden, einfache Hütten in den Dörfern und einzelne Gehöfte verteilt in der Landschaft. Die Einfachheit die uns begegnet, hier auf dieser Fahrt und auch auf Nosy Komba der Nachbarsinsel, lässt uns gedanklich etwas innehalten. Wieviel oder wie wenig braucht es für das Leben. Aus unserer Perspektive sieht Wohlstand anders aus und ein Streben nach Komfort scheint uns alltäglich. Alex erzählt uns über die Zeit während der Pandemie und auch über den Zusammenhalt der Menschen. Über Hoffnungslosigkeit und Lichtblicke, über Unvoreingenommenheit und über das Zusammenleben in dieser Inselgemeinschaft.
Politisch gesehen ist Madagaskar nach einer langen totalitären Regierung auf dem Weg zurück in die Demokratie. Ein langer Prozess bei dem die alten Seilschaften zuerst abgehängt werden müssen. Die nächsten Wahlen werden es zeigen.
Vorbei geht es am Flugplatz auf die andere Seite der Insel. Gottfried hat die Sonnenseite erwischt, sein linker Arm, sein Bein und die Wange nehmen zusehends Farbe an. Zum rücken ist das Tuktuk mit drei Personen auf der Rückbank zu eng. Rund eineinhalb Stunden dauert die Fahrt an die Andilana Beach im Nordwesten von Nosy Be. Ein traumhafter Sandstrand, Teure Resorts, Bars und Restaurants, 50 m im Anschluss der öffentliche Strand wo sich alle Einheimischen treffen. Da sind auch die offenen Küchen und es duftet schon von weitem nach gegrilltem Fisch und Fleisch. Wir entscheiden uns heute für die vegetarische Variante mit Reis, Maniok, Bohnen und Brèdes, eine Krautpflanze, dazu Wasser und ein Bier.
Dies ist ein typisches Essen in Madagaskar. Reis und eine Beilage. Wir sitzen an einem langen Tisch direkt neben der Küche zusammen mit Alex und unserem schnellen Tuktuk Pilot. Von unserem Platz aus sehen wir direkt hinüber auf den bewachten und abgegrenzten Hotelstrand, irgendwie surreal. Hier ein Essen für CHF 2.-, drüben ein Drink für CHF 18.-. Wir ziehen es vor, unser Geld und Trinkgeld direkt bei den Einheimischen zu lassen. Diese sind um jedes noch so kleine Business dankbar. Viele verdienen ihr Einkommen mit dem Verkauf von Fisch, Früchten und vielen kleinen Dienstleistungen. Für uns sind das auch immer wieder Begegnungen mit neuen Personen und Charakteren und neben dem eigentlichen Handel wird viel gefragt und auch erzählt. Für uns sind diese Erlebnisse und kleinen Episoden der Grund für unsere Reise. Wir haben in den vergangenen drei Jahren gelernt geduldiger zu sein, zuzuhören und andere Lebenswege und Weisheiten zu achten und zu respektieren. Manchmal wird die Geduld, wie beim Ausklarieren, arg strapaziert, aber es hilft nicht ein grosse Lamento zu veranstalten, dabei läuft man nur auf. Andere Länder, andere Sitten und andere Mentalitäten. Bevor wir zum Mont Passon fahren unternehmen wir noch einen Strandspaziergang entlang des wunderschönen Sandstrands. Es ist auch um vier Uhr nachmittags noch immer sehr heiss. Die Wachen der Hotels stehen mit langen Hosen, Hemden und Springerstiefel am Strand, ein harter Job. Bei 60% Unterbeschäftigung ist jeder glücklich der eine Anstellung hat. Hut ab!
Andilana Beach
Es geht zurück ins innere der Insel zum Aussichtspunkt auf dem Mont Passon. Unser Tuktuk keucht im ersten Gang den Berg hinauf, vorbei an den heiligen Seen mit den Krokodilen. Baden ist verboten und aufgepasst, mit den Viechern ist nicht zu spassen.
die heiligen Seen
Bald ist die Strasse zu Ende und wir laufen hoch zur Aussichtsplattform auf dem Mont Passon, benannt nach einem französischen Kommandant welcher schon früh den strategischen Ausguck auf dem Berg erkannt hat. Oben angekommen ist der Ausblick fantastisch, atemberaubend. Ein Rundblick über Nosy Be, die Nachbarinseln und hinüber zum "Festland". Wir sind hier oben zusammen mit der ganzen Touristenschar, alle wollen den Sonnenuntergang bewundern. Es ist kurzweilig oben auf dem Berg. Neben dem Ausblick ist es auch spannend die Leute zu beobachten und zu rätseln wer von wo kommt.
Der Sonnenuntergang ist ein Spektakel, dazu Musik aus dem Ghettoblaster, ein Gedränge am Geländer und dann ist der Spuk auch schon vorbei.
Sonnenuntergang auf dem Mont Passon
In den Tropen wird es schnell dunkel. Kaum ist die Sonne hinter dem Horizont verschwunden wird es bald finstere Nacht. Der Mond ist zurzeit in der wachsenden Phase, was die Nacht noch dunkler erscheinen lässt. Spärliche Beleuchtungen in den Dörfern, auf der Landstrasse ab und zu eine Strassenlaterne. Wir fahren auf dem direkten Weg zurück nach der Crater Bay. Die Strasse ist eine einzige Baustelle. Sonntagabend sind alle Menschen auf der Strasse, man trifft sich bevor die Woche wieder los geht. Viele Autos, Tuktuks, Motorräder, ein Gewusel ohne gleichen. Staub und Lichter, es ist richtig gespenstisch. Hier selbst zu fahren würde uns total überfordern. Wohlbehalten kommen wir in die Marina zurück.
Herzlichen Dank Alex, es war ein unvergesslicher Tag! Du hast unsere Herzen für dein Land geöffnet, nächstes Jahr kommen wir wieder und wollen mehr von Madagaskar sehen.
Nosy Komba
Eine der Nachbarsinseln, Richtung Festland, etwa 1,5 Seemeilen von Hellville entfernt ist Nosy Komba. Die beinahe kreisrunde Insel steigt zum Zentrum hin stark an. Der höchste Punkt des Vulkans Antaninaomby erreicht stolze 622 m. Die Insel ist ein beliebter Touristenort, sehr tropisch mit vielen kleinen Stränden und grünen tropischen Wäldern, dazwischen Plantagen und kleine Ansiedlungen und Hütten.
Sie ist auch die Heimat des gefährdeten Mohrenmakis, Höhlenflughunden und verschiedener Fledermausarten. Ca. 30 Amphibien- und Reptilienarten leben auch auf der Insel.
Wir ankern vor der Ortschaft Ampangorinana im leichten Schwell und haben zwei Tage Zeit um die Insel zu erkunden und Gery und Lizl zu besuchen. Beide leben seit einigen Jahren auf Nosy Komba, stammen ursprünglich aus Südafrika und sind alte Freunde von Renier. Drei Minuten Bootsfahrt von der Najuma zum Strand und schon sitzen wir in Andis Bar und Restaurant. Hier wird Schweizerdeutsch gesprochen. Andi ist ein alter Oerliker der Nach- Achtundsechziger-Generation und seit einigen Jahren auf der Insel. Ein Aussteiger wie wir hier noch einige kennenlernen. Das Leben ist relaxed und entspannt und mit dem nötigen finanziellen Background lässt es sich hier gut leben. Es geht nicht nur um ein billigen Unterhalt, vielmehr um die Philosophie der Freiheit und dem quasi entfliehen aus den vielen Regeln von zuhause. Andere wiederum ziehen nach Madagaskar für einen Tapetenwechsel, die wunderschöne Landschaft, die liebenswerten Menschen und einfach um die Wärme und Sonne zu geniessen.
Die Tage beginnen immer früh in den Tropen. Die Zeit um den Sonnenaufgang ist ruhig, noch keine Hitze und das geschäftige Leben am Strand beginnt. Wir gehen früh schwimmen, lesen und trinken Kaffee oder einen frischen Smoothie. Einfach Bordalltag.
Ankerplatz vor Nosy Komba
Heute steht ein Landausflug auf dem Programm. Wir besuchen die Mohrenmakis. Eine Lemurenart die vom Aussterben bedroht ist. Am Nachmittag sind wir dann bei Gery und Lizl zum obligaten Braai eingeladen.
Die Lemuren sind unglaublich putzige Tiere. Sehr zutraulich (sie werden natürlich auch gefüttert) und unglaubliche Akrobaten. Neben den Lemuren werden uns von einem jungen Führer auch noch die Lebensweisen von Schlangen, Geckos und Schildkröten erklärt. Alles sehr nahe und zum anfassen.
Mohrenmakis
Mit Robert zusammen, einem Freund von Gery der auf der Insel aufgewachsen ist, laufen wir hoch auf den Vulkan. Es geht steil bergan durch tropische Vegetation und Plantagen bis auf den Gipfel. Oben steht eine kleine Hütte mit Küche und bietet fische Säfte zur Erfrischung an. Die Sicht über den indischen Ozean und die vielen Inseln ist phänomenal. Beim Abstieg zeigt uns Robert noch seine Plantage und sein Wohnhaus. Die Bergflanke ist bewaldet, dazwischen sind kleine Ansiedlungen und Schulen und Betriebe die Schokolade und Rhum herstellen. Alles im Kleinformat, etwas zum Verkauf und vieles für den Eigenbedarf. Es gibt keine Strassen nur Wege und Bergpfade auf der Insel. Fernab ist die Hektik und der Lärm von Hellville. Am Abend sind die Tagestouristen von Nosy Be verschwunden und die Ruhe kehrt wieder ein. Alles geht seinen gemächlichen Weg mit viel Ruhe und Besonnenheit. Für uns eine andere Welt.
schöne An- und Aussichten
Ampangorinana
Den Abend verbringen wir bei Lizl und Gerry. Die Lala Manzi Crew ist auch dabei. Wir grillen Fisch, Steaks aus Südafrika, dazu gibt's Salat Bier und Wein. Bis spät in die Nacht hinein feiern wir ein bisschen unsere Ankunft in Madagaskar und erinnern uns an viele kleine Episoden auf unserem Törn. Wir hören Geschichten von den Inseln, übers Fischen und das Leben auf Nosy Komba. Zu schnell gehen diese schönen Abende vorbei. Die Dinghyfahrt zum Boot wird im stockfinstern auch noch zum Abenteuer.
ein Abend mit Lizl, Gery und der Lala Manzi Crew
Von Madagaskar nach Mahé, Seychelles 9.10. - 14.10.2023
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen. Das hat Hermann Hesse schon gewusst.
Die Zeit in Madagaskar war ein Genuss, aber wir mussten weiter: Susanne und Tim werden uns in den Seychellen besuchen und wir hatten nach unserem Ausklarierdebakel nur noch eine Woche um die 800 sm hinter uns zu bringen. Wir ankerten noch einmal in der Crater Bay um einzukaufen und Diesel zu bunkern. Danach gings zurück nach Hellville zum Ausklarieren und schon waren wir wieder unterwegs Richtung Norden. Zuerst entlang der Küste von Nosy Be, dann Kurs auf Glorioso. Die Wetterberichte waren okay, wenn auch nicht so wie wir uns das erhofft hatten. Der Wind kam von Nord Westen bis Westen, eigentlich unüblich für diese Jahreszeit. Auf der Höhe der Nordspitze von Madagaskars Hauptinsel liegt das berüchtigte Cap d'Amber und danach heisst es die südliche Äquatoria Strömung zu durchqueren. Was für eine Aufgabe. Der indische Ozean machte sich mit seinen Kreuzseen alle Ehre und wir wurden die ersten zwei Tage wieder kräftig durchgerüttelt. Dafür hatten wir richtig guten Speed und schönes Wetter. Nach Reniers Erkältung war nun Gottfried an der Reihe. Die letzten zwei Tage vor dem Landfall waren harte Stunden für Sandra und Renier, sie mussten sich die Wachen teilen. Unser Entscheid mit einer dreier Crew zu segeln hat sich als richtig herausgestellt. Für eingefleischte Solosegler wäre das kein Problem gewesen, aber wir sind lieber gut aufgestellt und abgesichert unterwegs.
Nach 5 Tagen erreichen wir am Samstagmorgen dem 14. Oktober die Insel Mahé in den "inner islands" der Seychellen. Nach einer langen Überquerung ist die Ankunft auf einer schönen grünen Insel immer ein besonderes Erlebnis. Von der südlichsten Inselgruppe der Seychellen, dem Aldabra Atoll bis zu den Inneren Inseln haben wir fast alle Inseln der Seychellen passiert. Das Einklarieren war im Vergleich zu Madagaskar einfach und problemlos. Mit einem Pilotboat sind alle Zuständigen zu uns aufs Schiff gekommen. Gegen Mittag waren wir bereits in der Eden Island Marina und konnten mit den Vorbereitungen für unseren Besuch starten. Hier geht ein langer Törn von Südafrika nach den Seychellen zu Ende. 2909 Seemeilen und 21 Seetage haben wir hinter uns gebracht. Die gesamte Reise hat etwas über sechs Wochen gedauert. Wir hatten eine schöne Zeit zusammen mit Renier und durch ihn wurde unser langer Törn auch sehr bereichert. Jetzt sind wir erst einmal hier, müssen uns auf ein neues Land und Segelgebiet einstellen und freuen uns wieder auf neue Abenteuer.
letzte Vorbereitungen und auf dem Weg nach Mahé
Anlauf Mahé

der wohl verdiente Ankertrunk !










































































































































































































































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